Projekt 2005

Konzert 6. November, 19 Uhr, Konzerthaus Freiburg
Workshop 31. Oktober bis 5. November
Vorprobe 1./2. Oktober
Gastdirigent Jan Cober
Solistin Antje Perscholka
Dozenten Wolfgang Wössner
Christoph Karle
Orchester Sinfonisches Blasorchester
Benefizzweck Janusz-Korczak Schule, Freiburg
Schule für geistig und mehrfach körperlich behinderte Kinder
Schirmherr Andreas Renner
Sozialminister Baden-Württemberg
Bilder Workshop
Generalprobe
Konzert
Verschiedenes


Programm

Morgenlied und Aufzug der Heere Richard Wagner
Et in Terra Pax Jan Van der Roost
Musik für Prag 1968
1. Satz: Introduction und Fanfare
2. Satz: Aria
3. Satz: Interlude
4. Satz: Toccata und Choral
Karel Husa

- Pause -

Vier letzte Lieder
1. Lied: Frühling (Hermann Hesse)
2. Lied: September (Hermann Hesse)
3. Lied: Beim Schlafengehen (Hermann Hesse)
4. Lied: Im Abendrot (Joseph von Eichendorff)
Richard Strauss
Sopran: Antje Perscholka, Leipzig
Rosenkavalier, Suite op. 59 Richard Strauss


Morgenlied und Aufzug der Heere Richard Wagner

Morgenlied und Aufzug der Heere ist ein Ausschnitt aus der Oper Lohnengrin. Bei Antwerpen, erste Hälfte des 10. Jahrhunderts: König Heinrich ist nach Brabant gekommen, um für einen drohenden Krieg gegen die Ungarn Truppen zu sammeln. Der Heerrufer des Königs eröffnet die Versammlung Heinrichs mit den Edlen von Brabant, die ohne fürstliche Führung sind: Ihr Herzog ist verstorben, sein Sohn und Erbe Gottfried ist verschwunden.

Da Heinrich in Brabant auch Gericht hält, klagt nun Graf Friedrich von Telramund, den der verstorbene Herzog zum Vormund seiner beiden Kinder Gottfried und Elsa bestellt hat, Elsa von Brabant öffentlich an, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben.

Das Gottesgericht wird ausgerufen....



Et in Terra Pax Jan Van der Roost

Dieses Werk ist ein Plädoyer für den Frieden: Der Titel bedeutet Frieden auf Erden. Dies kommt unter anderem auch im vokalen Teil der Ausführenden zum Ausdruck. An verschiedenen Stellen des Werkes erklingen, anfangs durcheinander, später in einem rhytmischen und synchronischen Gesang vereint, die Worte Et in Terra Pax wie ein flehendes Gebet der Musiker um Frieden in der Welt.

Ein pentatonisches Thema formt den Anfang des Werkes, basierend auf den Noten D, E, G, A und C, die dem Namen des Auftraggeberorchesters und dessen Dirigenten entstammen. Nach einem ersten Klangausbruch des Gesamtorchesters entsteht eine etwas traurige Melodie. Plötzlich werden dann die Beginntakte mit einer anderen Klangfarbe wieder aufgenommen; die Worte Et in Terra Pax runden den ersten Teil daraufhin ab.

Es folgt ein unruhiges Allegro, das überraschend durch eine choralartige Passage voller Ruhe unterbrochen wird. Eine Sprechstimme liest währenddessen das Gedicht Sonnet des jungen englischen Dichters Charles Hamilton Sorley vor, der im 1. Weltkrieg fiel. Sorley findet in diesem Gedicht für die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges die passenden Worte.

Nachdem das Allegro, diesmal mit einigen Ausbreitungen, wiederholt wird, kehrt die weite, beinahe unendliche Atmosphäre des Beginns wieder zurück. Klarinetten spielen zusammen mit einem Englishhorn das pentatonische Beginnthema ein letztes Mal, wobei das Et in Terra Pax durch den Rest des Orchesters stets wiederholt wird.

Jan Van der Roost hat bewußt auf jegliche Form der Agression oder eine bombastische Form der Vertonung, wie sie sonst in vielen Werken über den Krieg zu finden ist, vermieden. Dennoch ist die Angst vor Gewalt und Zerstörung ganz besonders in den Allegropassagen deutlich zu hören und zu fühlen. Am Ende macht die anfängliche Spannung jedoch der Hoffnung Platz: Möge die Friedlichkeit auch im täglichen Leben die Grausamkeit verbannen.



Musik für Prag 1968
1. Satz: Introduction und Fanfare
2. Satz: Aria
3. Satz: Interlude
4. Satz: Toccata und Choral
Karel Husa

Im Mai 1968 kam der damalige Dirigent der Ithaca College Concert Band, Kenneth Snapp, auf Karel Husa zu und bat ihn ein Werk zu schreiben, welches das Orchester an dem bevorstehenden Kongress der Music Educators National Conference zur Uraufführung bringen kann.

Zur gleichen Zeit nahm Husa die Veränderungen in seinem Heimatland wahr. Er verfolgte mit großem Interesse die politischen Geschehnisse des Prager Frühlings und sah die zunehmenden Spannungen zwischen Alexander Dubcek mit seinen liberalen Reformen und den anderen Staaten des Warschauer Paktes. Am Abend des 21. August 1968 war es dann soweit: die Sowjetunion marschierte in der Tschecheslowakei ein und unterdrückte mit Panzergewalt die Reformen. Husa schaute täglich Fernsehen und dachte an seine Stadt Prag, in der er aufgewachsen war und die ihm viel bedeutete. Die Eindrücke des Prager Frühlings waren ausschlaggebend für den Beginn der Komposition.

Drei Hauptideen sorgen für den inneren Zusammenhang der Komposition. Die erste und wichtigste ist ein altes Hussiten-Kriegslied aus dem 15. Jahrhundert: „Ihr Krieger für Gott und sein Gesetz“. Es ist ein Symbol des Widerstandes und der Hoffnung über Jahrhunderte hinweg, wenn schicksalhafte Ereignisse schwer über der tschechischen Nation lagen. Der Beginn dieses Liedes wird im ersten Satz sehr zaghaft durch die Pauken angekündigt.

Die zweite Idee besteht aus dem durchgehenden Glockenkang; Prag, auch Stadt der hundert Türme genannt, hat seine herrlich klingenden Kirchenglocken sowohl als Alarm- wie auch als Siegessignal eingesetzt.

Die letzte Idee ist ein Motiv aus drei Akkorden, welches zum ersten Mal am Anfang des Stückes als Begleitung des Piccolo-Solos erklingt. Später erscheint es mehrfach sehr laut wieder, beispielsweise in der Mitte der Aria.

Sehr viel Symbolisches taucht auf: zusätzlich zu den verheerenden Notrufen im ersten Satz (Fanfaren), der ungebrochenen Hoffnung des Hussitenliedes, dem Glockenglang oder der Tragödie (Aria) gibt es den Vogelruf am Anfang (Piccolo-Solo), ein Symbol der Freiheit, welche die Stadt Prag während ihrer tausendjährigen Existenz nur für wenige Augenblicke erleben durfte.

Bemerkenswert ist die Instrumentation dieses Werkes. Es wird eine ernorm große Besetzung benötigt. 21 Holzbläser- und 15 Blechbäserstimmen, wobei die einzelnen Stimmen zum Teil nochmals unterteilt sind. Hinzu kommt ein Kontrabaß und eine halbe Fußballmannschaft am Schlagzeug. Das ist weit mehr als die normale Besetzung eines Blasorchesters, von den „Exoten“ ganz zu schweigen, wie z.B. dem Kontrafagott, der Kontrabaß-Klarinette oder dem Baß-Saxophon. Besonders im Zwischenspiel kommen die vielen Schlagzeuger voll zum Einsatz und zwar solo, das restliche Orchester schweigt. Es wird dabei ein Raumklang-Effekt entstehen, weil die Schlagzeuger nicht hinter, sondern rund um das Orchester agieren.



Vier letzte Lieder
1. Lied: Frühling (Hermann Hesse)
2. Lied: September (Hermann Hesse)
3. Lied: Beim Schlafengehen (Hermann Hesse)
4. Lied: Im Abendrot (Joseph von Eichendorff)
Richard Strauss
Sopran: Antje Perscholka, Leipzig

Die Vier letzten Lieder sind 1948 entstanden. Es handelt sich um eine Liedkomposition für Sopran und Orchester nach Gedichten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff. Die Uraufführung der Vier letzten Lieder fand am 22.05.1950 in der Royal Albert Hall in London statt.

Zwar sind sie weder seine letzten (das Lied Malven entstand danach), noch sind sie als Werkgruppe geplant gewesen, doch gelten die Vier letzten Lieder als homogenes Vermächtnis des großen Vokalkomponisten.

Die Lektüre von Joseph von Eichendoffs Gedicht Im Abendrot gibt den Anstoß zur ersten Vertonung. Hermann Hesse war seinerzeit recht überrascht, als der Komponist, dem er in einem Schweizer Hotel zufällig begegnet, ihm die Vertonung einiger seiner Gedichte ankündigt. Hesse respektierte den "schönen alten Herren", war ihm und seiner Musik jedoch nicht zugetan.



1. Lied „Frühling“ (Hermann Hesse)
In dämmrigen Grüften träumte ich lang
von deinen Bäumen und blauen Lüften,
von deinem Duft und Vogelsang.
Nun liegst du erschlossen in Gleiß und Zier,
von Licht übergossen wie ein Wunder vor mir.
Du kennest mich wieder, du lockest mich zart,
es zittert durch all meine Glieder deine selige Gegenwart!



2. Lied „September“ (Hermann Hesse)
Der Garten trauert, kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert still seinem Ende entgegen.
Golden tropft Blatt um Blatt nieder
vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt,
in den sterbenden Gartentraum.
Lange noch bei den Rosen bleibt er stehen,
sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die großen müdgewordnen Augen zu.

3. Lied „Beim Schlafengehen“ (Hermann Hesse)
Nun der Tag mich müd gemacht,
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.
Hände, laßt von allem Tun,
Stirn, vergiß du alles Denken,
alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.
Und die Seele unbewacht,
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.




4. Lied „Im Abendrot“ (Joseph von Eichendorff)
Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand:
Vom Wandern ruhen wir beide
Nun überm stillen Land.
Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.
Tritt her und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.
O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot,
Wie sind wir wandermüde
Ist dies etwa der Tod?



Rosenkavalier, Suite op. 59 Richard Strauss

Der Rosenkavalier war ein überraschender Wendepunkt im Schaffen von Richard Strauss. Waren seine Kompositionen bis dahin eher ihrer Zeit voraus, so besann er sich hier auf traditionsbewußtes Komponieren. Hier war sie nun: die Komödie, die sich Strauss ersehnt hatte, "unser Figaro", wie Freund Hofmannsthal einmal schrieb.

Aus Komödien und Romanen Molieres, Goethes, Hogarths und de Mussets schöpfend, entwickelte Hofmannsthal für seinen Komponisten knapp nach Elektra ein "ganz frisches Szenar einer Spieloper", die im Wien Maria Theresias spielt. Die Oper hat auch eine Marie Theres als Hauptfigur, während die anderen beiden Protagonisten um die Ehre des Taufpaten rangen: Strauss zog Ochs auf Lerchenau als Operntitel vor, Der Rosenkavalier setzte sich schließlich, auch auf Anraten von Pauline Strauss, durch.

Am 26. Jänner 1911 wurde Der Rosenkavalier aus der Taufe gehoben, vor einem begeisterten Publikum, das die "Umkehr" des Komponisten erfreut zur Kenntnis nahm. Sehr bald mußten Rosenkavalier-Sonderzüge eingerichtet werden. Innerhalb weniger Monate ging das Stück um die Welt, ohne vor barscher Kritik und Entstellungen gefeit zu sein: Man kritisierte die Walzerflut, die den Rosenkavalier überschwemmte und in Berlin mußte gar eine um "anstößige" Liebesszenen und Wendungen "gereinigte" Fassung bis 1924 gezeigt werden!

Mag der übertölpelte alte Bräutigam ein beliebtes Komödienthema sein, die Zeichnung des Baron Ochs oder gar jene der leidenschaftliche Liebe zwischen Marschallin und Octavian, der aufkeimenden Zuneigung zwischen ihm und Sophie sind von origineller, nie verblühender Schönheit. Mit dieser meistgespielten seiner Opern hat sich Strauss "für alle Zeit" (das sind die Worte der Liebenden aus dem letzten Akt) ein Denkmal gesetzt.

Die Story in aller Kürze: Octavian, der junge Geliebte der verheirateten Feldmarschallin, soll für den hoch verschuldeten Verwandten seiner Angebeteten, den derben Baron Ochs, bei dessen Verlobung mit der schönen und reichen Sophie die Rolle des Rosenkavaliers übernehmen. Dabei verlieben sich Octavian und Sophie ineinander, was zu einer Reihe von Intrigen und Verwechslungen führt. Am Ende ist Baron Ochs dazu gezwungen, auf Sophie zu verzichten und auch die Marschallin stellt sich mit ihrer Lebensweisheit den jungen Liebenden nicht in den Weg. Also, - wie könnte es anders sein - ein Happy End.