Benefizkonzert auf musikalischer Höhe
Dirigent James Curnow brillierte ebenso wie Solist Steven Mead
| EMMENDINGEN.
Manchmal reicht es, mit nur wenigen Proben ein
ausgewachsenes Orchester zu formen. Für die beiden
Benefizkonzerte zugunsten autistischer Kinder und des
Roten Kreuzes Freitag und Samstag in der Boehle-Halle
hatten sich 90 Musikerinnen und Musiker nur zu einem
Probenwochenende und einer Übungswoche getroffen, doch
der amerikanische Meisterdirigent James Curnow,
assistiert von seinem deutschen Kollegen Wolfgang
Wössner, schaffte es, ein "Schwergewicht"
unter den regionalen Blasorchestern für den Verein
"Benefiz Musik und Kultur für andere"
zu formen. Der wuchtige Klang und die Kraft dieses Orchesters, aber auch die Präzision in vielen kleinen Details, überzeugten das Publikum. Etwa bei der Fanfare "Black-Granite": Da heulte die Hörnerschar auf, die Holzregister steuerten flirrende Triller bei, auf dem obersten Orchesterrang wirbelten die Schlegel auf Pauken und Trommeln ein - ein gewaltiger Auftakt, den Curnow da ausgewählt hatte. Der amerikanische Musikpädagoge und Komponist hob die Hand und schon verringerten die Trompeten ihre Strahlkraft - auch nach kurzer Probezeit klappte die Kommunikation zwischen Dirigent und Musikern. Doch nicht nur mit symphonischem Kraftakt, auch mit kammermusikalischer Zartheit konnte das Projektorchester umgehen. "Where never Lark or Eagle flew" (Wo niemals Lerche oder Adler flogen) hieß eines der zahlreichen Stücke, die Curnow komponiert hatte. Gerade das Zusammenspiel von Flöte, Englischhorn, Klarinette und Oboe geriet zu einer der schönsten Passagen. Die dynamische Flexibilität des Klangkörpers auf Zeit wurde bei diesem Werk "ohrenfällig". Denn den zarten Zwischenpart umrahmten diese orchestralen Gewaltausbrüche, bei denen tiefe Register, Bässe und Tenorhörner mit blitzblanken Phrasen glänzten und bei denen der Klangkörper genügend Kraft hatte, den Schwung aufrechtzuerhalten. »» |
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Klar ein wenig an Filmmusik erinnerten die Werke
schon, die beim Benefizkonzert erklangen. Und der
Eindruck, die Bläservielfalt - angereichert mit Harfe
und Flügel imitiere die Klangfülle des
romantischen Orchesters, drängte sich auf. Stellenweise
war die gewollte Ähnlichkeit kaum zu überhören
doch ist das die Aufgabe eines Blasorchesters? Und noch etwas scheint typisch amerikanisch zu sein: Cumows Kompositionshang zum Fortissimo. Doch ob die Variation über die so schlichte und schöne Melodie von Michael Praetorius' Choral "Es ist ein Ros entsprungen" unbedingt hätte zum Kraftakt in Sachen Lautstärke und Orchesterprunk hätte werden rnüssen...? Ein Kraftakt, der passenden Art - das war der Auftritt des Euphoniumvirtuosen Steven Mead. Zunächst mit ein wenig viel Vibrato und nach zwei, drei Intonationsschwächen wuchs das Spiel des Meisters seines Instrumentes auf eindrucksvolle Höhe. Das virtuose Euphoniumkonzert meisterte er mit erstaunlicher Gelassenheit. Rasant, fast wie ein Uhrwerk spielte er die schnellsten Kadenzen. Auch das Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester gelang. Etwa dem musikalischen Schulterschluss zwischen ihm und der ersten Flöte. Mead wusste sich auch gegen den Orchesterapparat durchzusetzen. Und da dem Publikum sein Auftritt so gut gefiel, steuerte Mead ein ausgewachsenes zweites Konzertstück bei - das hatte dann etwas von einer circensischen Attraktion. Mit viel Sentiment reicherte er die schlichte dritte Zugabe an, um schließlich, fast ohne die Ventile zu nutzen, nochmals vom Glissando bis zur atemlosen Prestokaskade alle Register seines Könnens zu ziehen. Jubel und begeisterte Pfiffe: Ein vollends zufriedenes Publikum. Peter Schwab |
Quelle: Badische Zeitung vom 10. November 1999