Benefiz - Musik und Kultur für andere e. V.

A U F T A K T

Die Zeitung zum Benefizkonzert am 1. und 2. November in Waldkirch

 

Interview mit Jan Van der Roost

Richard Faller: Herr Van der Roost, mit welchen Erwartungen kommen Sie zum Benefizkonzert nach Waldkirch?

Jan Van der Roost: Selbstverständlich habe ich hohe Erwartungen an den Workshop und an das Konzert. Von Johan de Meij weiß ich, daß das Orchester leistungsfähig und sehr motiviert ist. Ich hoffe daher auf eine interessante und intensive Probenarbeit, die viel Spaß macht und als Krönung mit zwei qualitativ hervorragenden Konzerten abschließt.

Richard Faller: Was ist für Sie persönlich das Wichtigste bei einem solchen Workshop?

Jan Van der Roost: Die Konzerte sind natürlich sehr wichtig. Für mich als Dozent und Gastdirigent ist es aber natürlich auch wichtig, daß von den Teilnehmern niemand enttäuscht oder unzufrieden nach Hause geht und ich die gesteckten Erwartungen erfüllen kann. Nur so kann sich auch dann die Begeisterung der Musiker in den Konzerten auf den Zuhörer übertragen. Außerdem hoffe ich, daß die symphonische Blasmusik durch meine Musik an Ansehen in der Region gewinnt und Impulse für die Weiterentwicklung gibt.

Richard Faller: Sie arbeiten mit Profis und Amateuren zusammen. Was sind die signifikanten Unterschiede bei der Zusammenarbeit?

Jan Van der Roost: Viele glauben, daß der signifikante Unterschied in der Qualität des Musizierens liegt. Dies ist aber nur bedingt richtig. Manchmal sind Amateurmusiker besser als Profis. Das liegt daran, daß die Profis verpflichtet sind, da zu sein und ihre Tätigkeit teilweise mit entsprechend wenig Freude ausüben. Bei Amateuren ist die Begeisterung in der Regel größer, was sich auch in der Bereitschaft niederschlägt, etwas zu tun, wenn es notwendig ist. Gerade junge Amateurmusiker sind sehr oft bereit, bis an ihre Leistungsgrenzen zu gehen.

Richard Faller: Sie komponieren Musik für die unterschiedlichsten Ensembles und Orchester. Was unterscheidet die symphonische Blasmusik von der Musik für symphonische Orchester?

Jan Van der Roost: Bei symphonischen Orchestern wird in der Regel vorausgesetzt, daß alle Instrumente optimal besetzt sind. »»

  «« Beim Blasorchester ist das jedoch nur recht selten der Fall. Außerdem ist die Besetzung oftmals nicht ausgewogen. Hier besteht natürlich die Kunst so zu komponieren, daß es trotzdem gut klingt. Der zweite Aspekt ist die Tatsache, daß man Instrumente kombinieren kann, die so nur im Blasorchester zu finden sind. Ich denke da z. B. an die vielen tiefen Blechblasinstrumente.

Richard Faller: Ihre Biographie zeigt, daß Sie musikalisch vielseitig aktiv sind. Welche Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?

Jan Van der Roost: Egal, ob ich komponiere oder dirigiere, jede Aufgabe macht sehr viel Spaß. Komponieren ist mehr eine introvertierte, dirigieren eine mehr extrovertierte Aufgabe. Man muß in jedem Bereich Top-Leistungen bringen. Die Orchester erwarten, daß ich gute Stücke schreibe, mein Verlag natürlich auch und bei solchen Workshops, wie dem Benefizkonzert, haben die Teilnehmer eine hohe Erwartungshaltung, daß die Proben interessant und lehrreich sind. Man muß versuchen, immer hochmotiviert zu sein. Als Komponist kann ich schließlich nicht sagen, mir ist leider nichts eingefallen.

Richard Faller: Sie arbeiten mit vielen Orchestern in Europa zusammen. Worin unterscheiden sich die Orchester in Deutschland von den anderen europäischen Orchestern?

Jan Van der Roost: Grundsätzlich kann man sagen, daß in Deutschland in der Regel alles hervorragend organisiert ist, was nicht in allen europäischen Ländern der Fall ist. Dies sagt natürlich nichts über das musikalische Niveau aus. Aber in den letzten Jahren ist festzustellen, daß das musikalische Niveau der Orchester, vor allem im süddeutschen Raum, immer höher wird und das Engagement sowie die Begeisterung für symphonische Blasmusik einen stetigen Aufwärtstrend zeigt. Erstaunlicherweise muß ich feststellen, daß das vom Blatt spielen in Deutschland noch recht unterentwickelt ist. In anderen Ländern hat man teilweise eine hohe Kunst darin entwickelt. Allerdings sind dort oftmals kaum noch musikalische Steigerungen während der Workshop-Phasen möglich. Das ist wieder ein Vorteil von den deutschen Orchestern, die diszipliniert und beharrlich arbeiten und in der Regel dadurch enorme Leistungssteigerungen während weniger Tage vollbringen können.


Das Interview wurde am 6. August 1997 von Richard Faller in Marktoberdorf geführt.