Benefiz - Musik und Kultur für andere e. V.

A U F T A K T

Die Zeitung zum Benefizkonzert am 1. und 2. November in Waldkirch

 

Wir über uns:
Es war einmal...

Es war einmal vor einigen Jahren. Befreundete Musiker aus dem Elztal und der näheren Umgebung trafen sich im Probelokal der Trachtenkapelle Bleibach, um ein gemeinsames musikalisches Projekt noch einmal in geselliger Runde Revue passieren zu lassen. Einige Monate zuvor hatte man sich "just for fun" zu einem Blasorchester in Egerländer Besetzung zusammengetan, um den Gästen beim Bleibacher Straßenfest Blasmusik auf höchstem Niveau bieten zu können.

Es war nicht das erste Projekt dieser Art. Schon früher hatte man sich gelegentlich zusammengefunden, um mit Bigbandmusik sich selbst und den Zuhörern eine Freude zu bereiten.

Nicht alle der Anwesenden wollten sich aber an diesem Abend mit einem Rückblick zufriedengeben, sondern schmiedeten Pläne für ein neues, ehrgeiziges Projekt. Das nächste Mal sollte es ein großes symphonisches Blasorchester mit ca. 70 Musikern werden. Manche Anwesende meinten, ein solches Projekt wäre unmöglich. Selbst 20 Musiker für eine Egerländer Besetzung unter einen Hut zu bekommen, ist eine schwierige Aufgabe und jetzt sollten es 70 sein! Doch einige hartnäckige Enthusiasten ließen sich durch diese Skepsis nicht entmutigen.

Ein paar Wochen später wurden schließlich ein paar Dutzend befreundete Musiker angeschrieben, ob sie Interesse hätten, bei dem Konzert eines Ad-hoc-Orchesters mitzuspielen. Und da die Organisatoren nicht wußten, was man mit den Einnahmen machen sollte, falls sich doch einige Zuhörer in das Konzert verirrten, beschloß man, ein Benefizkonzert daraus zu machen. Eine karitative Organisation wurde schließlich schnell gefunden und so blieb eigentlich nur noch eine Frage offen: Wer sollte das Konzert dirigieren?

Man wollte bei diesem Konzert schließlich etwas besonderes bieten und deshalb ging man auf die Suche nach einem interessanten Gastdirigenten. Einer der Organisatoren stellte den Kontakt zum damaligen Chef des Heeresmusikkorps 8, Christoph Lieder her und konnte ihn überzeugen, sich in den Dienst einer guten Sache zu stellen.

Endlich hatte man alle 70 Musiker an Bord und einen Profi auf dem Gebiet der symphonischen Blasmusik als Dirigenten, so daß eigentlich nichts schiefgehen konnte. Dennoch wurde einer der Organisatoren von schweren Alpträumen geplagt, denn diese prophezeiten ihm, daß kein einziger der 70 Musiker zur Probe erscheinen würde. Zum Glück blieb es ein Traum, denn zur ersten Probe erschienen die meisten Musiker voller Erwartungen.

Das Konzert in der mit 600 Zuhörern restlos ausverkauften Elzhalle in Wasser wurde ein überragender Erfolg für alle Beteiligten und selbst die Skeptiker mußten feststellen, daß mit Einsatz und Engagement auch fast unmögliche Dinge zu schaffen sind. Die Begeisterung aller Teilnehmer war sogar so groß, daß die Organisatoren bedrängt wurden, ein solches Konzert, obwohl es als einmalige Sache angekündigt worden war, zu wiederholen. Das Wort "einmalig" kennt schließlich mehrere Bedeutungen.

Sechs Monate später trafen sich die Organisatoren »»

  «« ein weiteres mal, um das nächste Benefizkonzert in Angriff zu nehmen. Mit der Verpflichtung des holländischen Arrangeurs und Komponisten Johan de Meij konnten die Veranstalter einen Coup ganz besonderer Art landen. De Meij zählt zu den bedeutendsten Vertretern seines Faches und ist in aller Welt gefragt. Mit einer solchen Größe im internationalen Blasmusikgeschäft mußte man zum erstenmal Farbe bekennen, ob man auch diesen Maßstäben gewachsen war. Mehr als 1 100 begeisterte Zuhörer waren schließlich der eindeutige Beweis dafür, daß man die musikalische Kreisklasse verlassen hatte und die Einladung de Meiis als Gastdirigent keineswegs überzogen war. Diese Aussage findet sicher seine Bestätigung durch das Angebot de Meijs, auch als Gastdirigent für das nächste Benefizkonzert zur Verfügung zu stehen. Eigentlich wollte man, wie schon beim ersten Konzert, nach diesem Ereignis einen Schlußstrich unter diese Sache tun, aber wenn man ein solches Angebot hat, dann kann man doch nicht sein sagen. Oder?

Leider mußten die Mitglieder des Organisationsteams bei den Vorbereitungen für das dritte Konzert die bittere Erfahrung machen, daß soziales Engagement nicht immer belohnt wird. Die bisher bestehende Kooperation mit einer übergeordneten Institution aus der Blasmusik-Szene wurde von dieser mit fadenscheinigen Gründen aufgekündigt. Die Tatsache, daß zwölf zusammengewürfelte Musiker eine weitaus erfolgreichere Veranstaltung binnen kurzer Zeit auf die Beine stellen konnten, als diese etablierte Organisation in zahlreichen Versuchen, muß wohl einigen Entscheidungsträgern schwer im Magen gelegen haben. Um das Benefizkonzert dennoch weiterhin auf rechtlich einwandfreie Füße stellen zu können, wurde der Verein "Benefiz - Musik und Kultur e.V." gegründet.

Dieser Verein hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, benachteiligten Menschen unserer Gesellschaft durch die Veranstaltung von Benefizkonzerten zu helfen. Die Vorstandschaft besteht aus 12 Musikerinnen und Musikern, die allesamt auch im Orchester aktiv tätig sind. Im Jahre 1995 ging schließlich das dritte Benefizkonzert über die Bühne. Die Nachfrage war zwischenzeitlich so riesig, daß erstmals zwei Konzerte veranstaltet wurden, bei denen man fast 2000 Zuhörer begrüßen konnte. Mit der deutschen Erstaufführung von ‚The Big Apple' des holländischen Gastdirigenten Johan de Meij hatte man sich nun auch in der Bundesliga der symphonischen Blasmusik etabliert. Nach dem Kassensturz konnte man 15000 Mark an das Projekt ,Wohnrauin schaffen für Obdachlose' übergeben.

In einigen Tagen findet nun das vierte Benefizkonzert statt. Die Alpträume, ob die Musiker zur Probe erscheinen werden, sind zwischenzeitlich verbogen. Die Spannung, inwieweit das Konzert unter musikalischen Aspekten und im Hinblick auf die Besucherzahlen ein Erfolg wird, ist jedoch genauso groß wie beim ersten Mal. Auch wenn die Organisatoren aufgrund der immensen zeitlichen Belastung bei den Konzertvorbereitungen sich nichts sehnlicheres als den Schlußakkord am 2. November herbeiwünschen, kann man getrost davon ausgehen, daß es spätestens am Morgen danach wieder in den Fingern juckt, etwas auf die Beine zu stellen. Denn wenn sie nicht gestorben sind, dann...